
Am Samstag, den 7. März 2026, fand im Saal des Holzwirts in Ascholding die öffentliche Hegeschau im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen statt. Bereits am frühen Vormittag begannen Hegeringleiter und Jäger mit dem Aufbau der Exponate.

Im Laufe des Tages hatte die Öffentlichkeit Gelegenheit, die „Gwichtl“ der erlegten Rehböcke aus der Strecke des Jagdjahres 2025 zu begutachten. Darunter befanden sich auch ein erlegter Hirsch sowie ein Keiler.


Als Neuerung – in den vergangenen Jahren begonnen und heuer konsequent umgesetzt – wurden alle Exponate mit der Jahreszahl des Erlegens versehen. Diese Beschriftung ist allerdings nur unter UV-Licht sichtbar. Damit wird der Versuch unterbunden, aus Bequemlichkeit ein „altes Gwichtl“ unter die aktuelle Strecke zu mischen.

Dabei ist jedem bewusst, wie viel Arbeit hinter der Präparation eines Rehschädels steckt: Auskochen, gründliches Reinigen, Bleichen und schließlich das sorgfältige Herrichten für die Ausstellung. In jedem einzelnen Stück stecken viele Stunden Arbeit und Hingabe.

Ab 18 Uhr füllte sich nach und nach der Saal. Viele Besucher wollten sich frühzeitig einen guten Platz sichern und zuvor noch genügend Zeit haben, einen Blick auf die gesamte Strecke zu werfen.



Um 19:45 Uhr begann schließlich der offizielle Teil des Abends. Die Jagdhornbläser eröffneten traditionell die Veranstaltung, bevor der erste Vorsitzende der Jagdkreisgruppe Wolfratshausen, Heinz Repert ans Rednerpult trat und die anwesenden Gäste begrüßte.


Unter den Ehrengästen befanden sich Robert Krebs, Leiter des Forstbetriebs Bad Tölz, Korbinian Wolf vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Holzkirchen, Bereichsleiter Forsten, Wolfgang Morlang, Vorsitzender des Kreisjagdverbands Bad Tölz und Direktor der AOK Bad Tölz, Anton Demmel, Vorstand der Waldbauernvereinigung, sowie Peter Fichtner, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands im Kreisverband Bad Tölz-Wolfratshausen.

Als Vertreterinnen und Vertreter des Landratsamtes begrüßte Repert Claudia Magdanz, Sachgebietsleiterin für Waffen-, Jagd- und Fischereirecht, sowie die Abteilungsleiterin Frau Prams aus der Abteilung 3 und Franz Steger, Leiter des Sachgebiets Umwelt. Besonders herzlich hieß er schließlich den Landrat des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen, Josef Niedermaier, willkommen.
Dass Heinz Repert den Landrat bewusst zuletzt begrüßte, hatte einen Grund: Er übergab ihm anschließend das Mikrophon.

Josef Niedermaier, der nach insgesamt 18 Jahren als Bürgermeister von Bad Tölz und Landrat des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen bei der kommenden Wahl nicht mehr antreten wird, ergriff gerne das Wort.

In seiner Ansprache dankte er insbesondere denjenigen, die bei Wind und Wetter draußen im Revier unterwegs sind und viele Probleme bereits vor Ort lösen, bevor sie überhaupt die Behörden erreichen. In den vergangenen Jahren seien zahlreiche Herausforderungen hinzugekommen, die es in dieser Form früher nicht gegeben habe – insbesondere im Zusammenhang mit Klimaentwicklung, Naturschutz und dem veränderten Freizeitverhalten einer sich wandelnden Gesellschaft.
Auch politisch stehe eine Novellierung des Bayerischen Jagdgesetzes an, die insbesondere die Rehwildbejagung neu ordnen werde. Die Politik könne dabei jedoch lediglich die Rahmenbedingungen vorgeben. Fragen wie etwa eine Bejagung auf Wunsch ohne Abschussplan müssten letztlich vor Ort in den Revieren gelöst werden. Ziel sei es zudem, das an Grund und Boden gebundene Jagdrecht weiter zu stärken.
Die Bedeutung der Hegeschau werde auch künftig bestehen bleiben. Sie sei ein wichtiger Ort des Austauschs, der Information und zugleich der Kontrolle – ein ehrlicher Blick auf die Ergebnisse der jagdlichen Arbeit.
Die kommenden Jahre würden Veränderungen und Umbrüche mit sich bringen, die aber auch neue Gestaltungsmöglichkeiten eröffneten. Ob diese Entwicklungen erfolgreich verlaufen, so Niedermaier, entscheide letztlich nicht die Politik, sondern die Arbeit in den Revieren selbst.
Jagd zu erleben sei etwas Besonderes: sichtbar, verantwortungsvoll und stets im Sinne der Gemeinschaft.
Sein besonderer Dank galt daher dem Jagdbeirat sowie Heinz Repert, Korbinian Wolf vom AELF, Albert Bernlochner, Tobias Feichtmeier, Dr. Lohse und Johann Fagner.
Mit diesen Worten beendete der Landrat seine Ansprache und übergab das Mikrofon wieder an Heinz Repert, der anschließend Peter Fichtner, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands im Kreisverband Bad Tölz-Wolfratshausen als nächsten Redner nach vorne bat.

In seinen Ausführungen stellte Fichtner die Verantwortung für eine gelingende Naturverjüngung zunächst bei den Waldbesitzern selbst und erst in einem zweiten Schritt bei der Jägerschaft fest. Zunächst liege es an den Waldbauern, dafür zu sorgen, dass junge Bäume überhaupt aufkommen können. Erst wenn diese eine erste Phase des Jugendwachstums überstanden haben, komme den Jägern die Aufgabe zu, durch eine angepasste Regulierung des Rehwildbestands den Verbiss zu begrenzen und damit die weitere Entwicklung zu sichern.
Ein zunehmendes Problem sieht Fichtner in der Vererbung von Waldflächen an Eigentümer, die keinen land- oder forstwirtschaftlichen Hintergrund haben. Dadurch gehe häufig das Verständnis für die langfristige Bewirtschaftung und Pflege der Flächen verloren.
Auch neue Formen der Flächennutzung erschwerten vielerorts die Jagdausübung. Als Beispiel nannte er Photovoltaikanlagen auf Freiflächen, die oftmals eingezäunt würden und damit große Bereiche für die Jagd unzugänglich machten. Zäune unter zwei Metern Höhe hielten weder Rehwild noch den Wolf zuverlässig fern und stellten somit keine wirkliche Lösung dar.
Kritisch äußerte sich Fichtner außerdem zu einer Verschiebung der jagdlichen Schwerpunkte. Häufig liege der Fokus stark auf der Bejagung von Schwarzwild, während das Rehwild weniger Beachtung finde – obwohl gerade dessen Einfluss auf junge Waldbestände von großer Bedeutung sei.
Auch Versuche, jagdliche Eigenbewirtschaftung ohne abgestimmte Zusammenarbeit umzusetzen, sieht Fichtner skeptisch. Solche Modelle seien auf Dauer kaum erfolgreich und meist zum Scheitern verurteilt.
Letztlich, so betonte er, sei der entscheidende Gradmesser der Umgang miteinander. Nur ein partnerschaftliches Miteinander von Waldbesitzern, Landwirten und Jägern könne langfristig dem gemeinsamen Ziel dienen: dem Wohl des Waldes.
Mit diesen Worten schloss Peter Fichtner seine Ausführungen.
Heinz Repert dankte Peter Fichtner für dessen Worte und bat anschließend Korbinian Wolf vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Holzkirchen (AELF) ans Rednerpult.

Wolf blickte zunächst auf die Situation in den Wäldern des vergangenen Jahres zurück. Insgesamt sei es gelungen, größere neue Schäden weitgehend zu vermeiden, und auch beim Borkenkäfer habe sich die Lage vergleichsweise stabil gezeigt. Dennoch gebe es weiterhin Bereiche mit deutlichen Spuren der vergangenen Jahre. Besonders im Raum Gaissach und Wackersberg seien noch immer größere Hagelschäden sichtbar.
Die intensive Aufarbeitung der Schadflächen in den Jahren 2023 und 2024, die notwendig war, um den Borkenkäfer einzudämmen, habe rund 30 Hektar Kahlflächen entstehen lassen. In diesen Bereichen dominierten nun häufig reine Fichtenbestände mit nur geringer natürlicher Verjüngung. Hinzu komme, dass sich die Böden durch die starken Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht rasch erwärmten und wieder auskühlten – ein Effekt, der sie schnell austrocknen lasse.
Dennoch sieht Wolf durchaus Chancen. Vorhandene Altbestände in Verbindung mit angepassten Wildbeständen böten grundsätzlich das Potenzial, die Naturverjüngung deutlich zu verbessern. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass Waldbesitzer ihren Beständen ausreichend Licht gönnten und so den jungen Bäumen bessere Wachstumsbedingungen ermöglichten.
Trotz einzelner Problemzonen zog Wolf insgesamt eine positive Bilanz: Die Waldbewirtschaftung im Landkreis funktioniere gut. Waldbesitzer, Jäger und Behörden arbeiteten konstruktiv zusammen. Ein Leitsatz sei ihm dabei besonders wichtig:
„Lieber miteinander als übereinander reden.“
Um eine möglichst objektive Einschätzung der Situation zu erreichen, würden deshalb regelmäßig gemeinsame Waldbegänge angeboten. Die zukünftige Waldverjüngung liege letztlich in den Händen der Jagdgenossenschaften und der Jäger. Für den Dreijahres-Abschussplan, so Wolf, liege der entscheidende Schlüssel insbesondere beim weiblichen Rehwild. Mit einem Dank für die gute Zusammenarbeit schloss er seine Ausführungen.
Als nächsten Redner bat Heinz Repert nun Wolfgang Morlang ans Rednerpult, den Vorsitzenden des Kreisjagdverbands Bad Tölz.

Morlang begann seine Ansprache mit einem augenzwinkernden, aber durchaus ernst gemeinten Vergleich: Andere Landkreise, so sagte er, wären froh über die Verhältnisse, wie sie hier herrschen. „Wir leben im Paradies.“
Er dankte allen Jägerinnen und Jägern für die zahlreichen Präparate der Hegeschau und wies auf die enorme Arbeit hin, die hinter jedem einzelnen Stück steckt. Gleichzeitig lobte er den offenen Austausch innerhalb der Jägerschaft – insbesondere wenn es um unterschiedliche Meinungen zum Abschussplan gehe.
Sorgen bereitet dem Kreisjagdverband derzeit jedoch der Schießstand in Miesbach. Notwendige Investitionen stünden an, doch es fehle schlicht am Geld. Dabei, so Morlang, erwarte die Gesellschaft von den Jägern zu Recht, dass sie regelmäßig trainierten und ihre Schießfertigkeit auf hohem Niveau hielten. Dann müsse sie allerdings auch für entsprechende Trainingsmöglichkeiten sorgen.
Eine wichtige Entscheidung sei immerhin bereits gefallen: Der unterirdische Ausbau des Schießstandes Unterdill werde realisiert. Geplant seien eine 300-Meter-Bahn unter der Erde, eine eingehauste 100-Meter-Bahn sowie ein modernisierter Schrotschießstand. Die finanziellen Mittel dafür seien bereitgestellt.
In einem Punkt waren sich Morlang und Repert einig:
„Ohne Handwerkszeug geht’s nicht.“
Mit diesen Worten beendete Morlang seine Ausführungen.
Anschließend erhielt das Landratsamt das Wort, vertreten durch Claudia Magdanz und Abteilungsleiterin Prams. Magdanz erinnerte daran, dass sie mittlerweile bereits wieder einige Zeit im Amt sei und sich im vergangenen Jahr ausführlich vorgestellt habe. Sie kündigte zudem an, dass Frau Prams die sich selbst kurz vorstellte, künftig die Nachfolge des scheidenden Franz Steger antreten werde.



Mit Blick auf die derzeit viel diskutierte Novellierung des Bayerischen Jagdgesetzes stellte Magdanz klar, dass diese bislang noch nicht verabschiedet sei, sondern sich weiterhin im politischen Verfahren befinde. Ob eine Entscheidung noch vor dem 1. Mai fallen werde, sei derzeit offen. Bis dahin könne sich inhaltlich noch einiges verändern. Ihr Rat an die anwesenden Jäger lautete daher:
„Verfolgen Sie die Politik.“

Anschließend trat Franz Steger selbst ans Rednerpult. Er überbrachte zunächst die Grüße der heute verhinderten Petra Muggianu und gab bekannt, dass er noch bis Dezember im Amt bleiben werde. In dieser Zeit werde eine sorgfältige und professionelle Übergabe seines Aufgabenbereichs vorbereitet. Damit schloss er seine kurzen Grußworte.

Es folgte Franz Mitteraier, der die Strecke des vergangenen Jagdjahres präsentierte. In präzisen Zahlen stellte er dar, wie viele Rehböcke, Schmalrehe, Geißen und Kitze im vergangenen Jagdjahr erlegt wurden und welchen Anteil das Fallwild ausmachte. Ebenso führte er die erlegten Stücke an Niederwild und Raubwild auf – darunter Enten, Füchse, Dachse sowie Baum- und Steinmarder. Ein Fischotter war dem Straßenverkehr zum Opfer gefallen.
Darüber hinaus wurde ein Hirsch bei Beuerberg sowie ein Keiler bei Herrnhausen erlegt. Insgesamt spielt Schwarzwild im Landkreis bislang noch eine vergleichsweise geringe Rolle.

Im Anschluss traten die Jagdhornbläser an das Rednerpult und verbliesen feierlich die Strecke. In der traditionellen Reihenfolge erklangen die Signale:
„Hirsch tot“, „Sau tot“, „Reh tot“, „Hase tot“, „Fuchs tot“, „Flugwild tot“ und schließlich „Jagd vorbei“.
Mittermaier nutzte die Gelegenheit, allen Helferinnen und Helfern zu danken, die beim Aufbau der Hegeschau mit angepackt hatten, bevor er das Wort wieder an Heinz Repert übergab.

Repert dankte zunächst den Jagdhornbläsern für ihren Einsatz und betonte, wie sehr er ihre stete Einsatzbereitschaft und Verlässlichkeit schätze. Anschließend wandte er sich noch einmal grundsätzlichen Fragen der Jagd zu.

Beim Verbissgutachten, so seine Einschätzung, gebe es durchaus Ansätze, denen sowohl Jäger als auch Waldbesitzer zustimmen könnten. Dennoch müsse künftig stärker auch der Blick auf die Verantwortung der Waldbesitzer gerichtet werden. Wenn sich Waldbesitzer und Jagd vor Ort einig seien, werde diese Einigkeit jedoch nicht selten von der Oberen Jagdbehörde übergangen.
Auch der zunehmende Konflikt um den Biber beschäftige viele Reviere. Häufig würden Lösungen durch Interessengruppen und deren Anwälte verzögert, was sachliche Entscheidungen erschwere. Sein Appell lautete auch hier:
Mehr miteinander reden – das erspare oft viel Ärger.
Beim Thema ständig steigender Abschusszahlen beim Rehwild zeigte sich Repert kritisch. Die kontinuierliche Erhöhung habe bislang kaum die erhofften Ergebnisse gebracht und werde dies seiner Meinung nach auch künftig nicht leisten. Stattdessen sei es notwendig, die Jagdstrategie grundlegend zu überdenken.
Ein zentraler Ansatz bestehe darin, Rehwild künftig nicht mehr auf den Wiesen zu erlegen, sondern konsequent im Wald zu bejagen. Auf den Wiesen richte das Wild kaum Schäden an, während im Wald die entscheidenden Auswirkungen auf die Verjüngung entstünden. Zudem sei es wichtig, dass das Rehwild wieder lerne, den offenen Flächen zu vertrauen. Zwar mache diese Strategie die Jagd schwieriger – langfristig könne sie jedoch sinnvoller sein.
Der stetige Abschussdruck erschwere es zudem, der Verpflichtung zur Hege gerecht zu werden und auch einmal einen Bock stehen zu lassen, damit er ein höheres Alter erreichen könne. Ob diese neue Strategie die gewünschten Veränderungen bringen werde, müsse sich zeigen.
Weitere Belastungen für Natur und Jagd sieht Repert auch in äußeren Einflüssen – etwa durch Windkraftanlagen oder zunehmenden Freizeitverkehr im Wald, insbesondere durch rücksichtslosen Radverkehr. In vielen Bereichen neige man dazu, Regelungen immer weiter zu verschärfen und damit gelegentlich über das Ziel hinauszuschießen.
Mit Blick auf die Zukunft formulierte er ein klares Ziel: stabile Wälder, die auch kommenden Generationen erhalten bleiben. Entscheidend dafür sei – wie an diesem Abend mehrfach betont – ein respektvolles und konstruktives Miteinander.
Den offiziellen Abschluss der Veranstaltung gestalteten noch einmal die Jagdhornbläser mit einem letzten musikalischen Auftritt.

Heinz Repert dankte allen Gästen für ihr Kommen und erklärte damit den offiziellen Teil der Wolfratshauser Hegeschau 2026 für beendet. Doch der Abend war damit noch lange nicht zu Ende. Beim Holzwirt in Ascholding blieb ausreichend Zeit für Gespräche, Austausch und geselliges Beisammensein – und so klang die Veranstaltung in gewohnt jagdlicher Atmosphäre noch lange aus.